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bonaNza – we never die at home

bonaNza, das aus den beiden Wiener Soundtüftlern Alexander J. Eberhard und Jorge Sanchez-Chiong bestehende Avantgarde-Experimental-Elektronik-Duo meldet sich an einer längeren Auszeit wieder zurück. Und zwar mit einem Album, auf dem einmal mehr der Begriff der Clubmusik einem vollkommen neuen Kontext zugeführt wird. „we never die at home“ (Konkord Records) vereint interessanteste Soundarbeit, virtuose und gleichzeitig tanzbare Beats, stimmungsvollste Atmosphäre und natürlich einen hohen Kunstanspruch, also quasi alles, was ein Herz eines aufgeschlossenen Musikliebhabers begehrt. Gelegenheit, die neuen Stücke live zu erleben, gibt es am 16. Mai im Wiener Fluc.

bonaNza liefern seit Jahren nun schon eindrucksvoll den Beweis, dass es im Bereich der Clubmusik, immer noch etwas zu sagen gibt, dass mit dem Verlassen bereits tausend Male beschrittener Pfade, sich ganz neue Perspektiven und Ausdrucksformen offenbaren, die den herkömmlichen Formaten auf erfrischende Weise entgegenlaufen. Die in der experimentellen Wiener Musikszene seit langem sehr umtriebigen und höchst aktiven Alexander J. Eberhard (Viola, Elektronics) und Jorge Sanchez-Chiong (Turntables, Elektronics) sind immer schon bekannt dafür gewesen, dass sie es mit traditionellen stilistischen Begrifflichkeiten nicht allzu eng nehmen. In welchem Projekt die beiden auch immer involviert sind, sie versuchen stets, ihre Musik außerhalb der Norm zu positionieren.

Was sie gemeinsam im Duo bonaNza unternehmen, ist der Versuch, die Klangästhetik der bekannten Clubmusik einer Frischzellenkur zu unterziehen. Frei nach dem Prinzip „alles ist möglich“ zerlegen die beiden diese in ihre Einzelteile, modeln sie gehörig um, ergänzen sie mit stilfremden Einflüssen und konstruieren aus dem Ergebnis dieses Prozesses eine Form elektronischer Musik, welche sich allen Kategorisierungen entzieht. In den Stücken von Eberhard und Sanchez-Chiong vereinigen sich, als ob es das Selbstverständlichste auf Erden wäre, virtuose Techno-Beats, detailverliebte Samplingarbeit, trockener und dezenter Minimalhouse, Versatzstücke aus dem Noise und Industrial, elektroakustische Anleihen sowie atmosphärische Filmmusikversätze zu einem immens farbenfrohen Ganzen. Auch schreckt das Zweiergespann nicht davor zurück, auch einmal fröhliche Reggae-Rhythmen oder laute E-Gitarrensounds miteinfließen zulassen. Am Ende steht als Resultat dieser Befreiung von allen traditionellen Arbeitsmethoden ein Klangkonstrukt, das trotz aller Komplexität dann doch immer tanzbar bleibt.

Mit „we never die at home“ liefern bonaNza einmal mehr ein wirklich ungewöhnliches und von allen Konventionen losgelöstes Stück Musik ab, das im Club genauso funktioniert, wie auch in den eigenen vier Wänden zu Hause. Das Album offenbart sich schlicht als ein Hörerlebnis der Extraklasse, das vom ersten Moment an fesselt und erst los lässt, wenn der letzte Ton erklungen ist. Michael Ternai (11.05.2012 – mica)

 

Musikprotokoll 2008 in Graz – eine Nachlese

[…] In der bequem mit Sofa-Gruppen ausgepolsterten Generalmusikdirektion liefen am Donnerstagabend Konzerte aus dem Projekt ECAS. (European Cities of Advanced Sound). […] Einen starken Abschluss des Donnerstagabends lieferten bonaNza mit ihrer Clubversion von österreichischem Kulturgut wie Schönberg oder Falco, The Opposite of Art/The Art of Opposites. […]         mica, 15.10. 2008

Intensive Momente & Brüche. Höhepunkte beim musikprotokoll.

Das Festivalnetzwerk E-CAS (European Cities of Advanced Sound) brachte Musiker aus Stavanger (Norwegen) und Wien am Donnerstag in die Generalmusikdirektion. […] Lärmintesiv. Deutlich strukturärmer, durch Verzerrer aber lärmintensiver agierten frufru und bonaNza. Letztere mittels oft nur schwer erkennbarer Musik-Zitate.     Herbert Schranz (Kleine Zeitung, 11.10.2008)

Vierzig Jahre alt und kein bisschen erwachsen

Das Musikprotokoll beim Steirischen Herbst in Graz

[…] Mehr denn je bieten die Programmmacher Christian Scheib und Susanna Niedermayr ein weites Experimentierfeld für zeitgenössische künstlerische Strömungen. […] Frei von solchen direkten politischen Statements waren jene Materialerkundungen, die in einem ironisch «Generalmusikdirektion» benannten Ort durch das Duo «bonaNza» unternommen wurden; «österreichische Musiktradition» wurde gesampelt, Schönbergs «Pierrot lunaire» etwa drastisch zum Techno transferiert. […] Daniel Ender (Neue Züricher Zeitung Online, 17.10. 2008)